Historie >>> Tagebuch '45

Zusammengestellt nach schriftlichen Unterlagen aus der angegebenen Zeit von Hauptlehrer i.R. und ehemaligen Sachbearbeiter im Gemeindebüro Friedrich Maßmann, Hptl. i.R. Schulenburg, im April 1981 (Die Inhalte dieser Aufzeichnungen stellen nicht die Kenntnisse und Meinungen der Webmaster dar. Dieses sind Aufzeichnungen, die die historische Situation aus Sicht des Autors wiederspiegeln.)

Die wirtschaftliche Verhältnisse:

Durch den Einsatz von etwa 150 Ausländern (polnischen Kriegsgefangenen, russischen Dienstverpflichteten) und später hiesigen dienstverpflichteten Frauen - gesunde Frauen bis 45 Jahre alt, die bis zu 2 Kinder zu versorgen haben - konnten die landwirtschaftlichen Betriebe planmäßig wirtschaften, zumal im Dorfe 10 einsatzfähige Trecker vorhanden waren und verschiedene Bauern Zugochsen kauften und anspannten. Immer mehr Gemüse (Erbsen, Wurzeln und Kohl) wurde angebaut und der Zwischenfruchtanbau intensiviert.

Das Getreideablieferungssoll konnte leicht erfüllt werden, weil die Ernten der Domäne Calenberg auf den großen und ertragreichen Getreidefeldern weit über den Durchschnittszahlen lagen. Infolgedessen wurden große Mengen Futterkorn an Schweine und Federvieh verfüttert. In vielen Haushaltungen nahmen Hühner-, Enten-, Gänse-, Puten- und Kaninchenhaltung überhand. Ziegenhalter (rund 70) zogen ihre Lämmer zum Schlachten auf, Schafe wurden gehalten. Im Gegensatz zum 1. Weltkrieg konnte bis 1945 in Schulenburg von keiner wirtschaftlichen Notlage gesprochen werden. Das erweckte oft Bitternis bei den einquartierten Bombengeschädigten, den Flüchtlingen und Vertriebenen, wenn sie hartherzig davon ausgeschlossen wurden.

Tagebuch April / Mai 1945:

Im März 1945 wurde allgemein das Backverbot für Kuchen, Semmel und Weißbrot erlassen. Zu Ostern buken daher die Schulenburger noch einmal recht viele Sorten Platenkuchen bei den Bäckern Bruns und Busche.

Die wenigen Handwerksbetriebe - viele waren geschlossen - konnten nur notwendigste Reparaturarbeiten ausführen; denn trotz ausgegebener Bezugsscheine nahm das Warenangebot sehr ab. Vor allem Textilien, Wollwaren und Schuhe wurden zurückgehalten oder gegen Lebensmittel getauscht, als der Bombenkrieg Wirkung zeigte. Die Not stieg, als immer mehr Bombengeschädigte aus Hannover - oft vollkommen mittellos - ankamen, untergebracht und versorgt werden mussten. Weil diese auf die ausgegebenen Bezugsscheine für Kleidung, Wäsche und Haushaltsgegenstände keine Waren mehr auftreiben konnten, sprang hilfsbereit unsere Dorfbevölkerung ein.

Vor allem das DRK und die NS-Frauenschaft führte Haussammlungen durch und schuf Verteilungsstellen. Im Gasthaus "Zur Marienburg" wurde eine Auffangstelle für Bombengeschädigte geschaffen, einfaches aber schmackhaftes Mittag- und Abendessen sehr preiswert hier und im "Calenberger Hof" ausgegeben. Die Bevölkerungszahl wuchs rapide; denn auch hannoversche Betriebe verlagerten sich nach hier: Bei Bessel Nr. 55 richtete sich die Verbandstofffirma G. Voigt ein, bei Wiegmann Nr. 21 (Gasthaus "Zur Marienburg") die Forschungsstelle "Niedersachsen im Auslande". Die Finanzabteilung der Landeskreditanstalt Hannover kam in den Domänenräumen unter. In der Standortgebührnisstelle der Luftwaffe Hannover, die die "Waldgaststätte Marienburg" beschlagnahmt hatte, arbeiteten rund 100 Personen. Ein Teil des großen Saales wurde Auslagerungsraum der Firma "Hanomag" Hannover, die Zigarettenfirma "Reemtsma" hatte den Seegerschen Saal belegt. Großhandlungen hatten sich Auslagerungsräume für ihre Waren besorgt. Als die russischen Armeen sich unseren Ostprovinzen näherten, begann die Zivilbevölkerung in den Westen zu fliehen und suchte auch hier Unterkunft. Jeder Wohnraum wurde mit Flüchtlingen, Ausgebombten, Zwangsevakuierten aus dem Aachener Raum und Vertriebenen aus Schlesien belegt. Behelfsmäßig eingerichtete frühere Wirtschaftsräume wurden zu Wohnraum.

Die Dorfbevölkerung musste sich auf engsten Raum beschränken; die Zahl der Einwohner verdoppelte sich mindestens, genaue Zahlen konnten nicht mehr ermittelt werden.

Die Situation wurde immer kritischer, als Karfreitag, dem 30. März deutsche Artillerieabteilungen, Nachschubkolonnen und Werkstattkompanien von der Westfront kurzfristig Massenquartiere suchten. Der Volkssturm wurde alarmiert und aufgefordert Straßensperren anzulegen, erhielt aber keine zusätzlichen Waffen. Kurz vor der Leinebrücke am Marienberg entstand eine Panzersperre, unsere steinerne Leinebrücke wurde am 1. und 2. April für die Sprengung vorbereitet. Die Schule war auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Bevölkerung vergrub Wertgegenstände, Esswaren und Bekleidung, vor allem Parteiuniformen, Fahnen, Parteikarten. Akten und Mitgliedsbücher der verschiedenen Parteiorganisationen wurden vernichtet. Im Bahnhof Barnten wurden Waggons beschlagnahmt und deren Inhalt, Butter, Mehl und Zucker, in den umliegenden Ortschaften, so auch Schulenburg, verteilt. Die Bevölkerung deckte sich möglichst mit Brot ein. Die beiden Bäckereien erhielten Mehlbezugsscheine für Roggen- und Weizenmehl, die von der Calenberger Mühle geliefert wurden. Die Schnapsbrennereien wurden aufgefordert, ihre Vorräte entweder zu verkaufen oder zu vernichten, um die Truppen, wie auch die Bevölkerung unter Kontrolle zu behalten. Die Straße nach Adensen zur Köselschen Brennerei wimmelte daraufhin von Erwachsenen mit allen möglichen Gefäßen und Flaschen, um Schnaps zu ergattern. Kaufmann W. Roß erhielt die Erlaubnis 250 Liter Branntwein zu lagern, jedoch nicht zu auszugeben.

Als am 7. April amerikanische Panzertruppen in Schulenburg einrückten, setzten die Geschäftsplünderungen ein und die gefundenen Mengen Alkohol wirkten sich für viele Einwohner verhängnisvoll aus. Gegen Mittag war eine russische Kriegsgefangenenkolonne mit geringer Bewachungsmannschaft durch das Dorf gezogen, die ein jämmerliches Bild von Hungergestalten in Lumpen bot, ausgemergelt und erschöpft. Hinter der Flutbrücke vor Rössing überließ die Wachmannschaft die Russen sich selbst, kehrte nach Schulenburg zurück und betrank sich in der Gastwirtschaft Bessel. Die Gefangenen kehrten auch um und verkrümelten sich in den Wirtschaftsgebäuden der Domäne oder lungerten spähend im Dorfe herum. Gegen 19.30 Uhr dröhnten amerikanische Panzer die Adenser- und Hauptstraße hinunter, hielten am Denkmalsplatz und verteilten sich von hier aus in unserem Dorf, begleitend vom Siegesgeschrei der, nun befreiten, Russen, die mit Plünderungen und Häuserbesetzungen begannen.

Die geplante Sprengung der Leinebrücke konnte noch soeben verhindert werden. Rücksichtslos fuhren Panzer in Gefechtsstellung, Mauern, Zäune, Gebäudeteile und Gärten wurden zerstört. Soldaten stürmten in die Häuser, durchsuchten sämtliche Räume nach deutschen Soldaten, ließen Wertgegenstände mitgehen, forderten Eier, Schinken, suchten nach Alkohol und richteten ihre Nachtquartiere in den Häusern ein; denn draußen war es nasskalt. Diese Kampftruppen verhielten sich verhältnismäßig diszipliniert, sie rückten nach 2 Tagen weiter nach Osten vor und wurden von Nachschubtruppen abgelöst, die verlangten, dass alle verschließbaren Türen, Möbel und Behältnisse offen zu halten seien, schnüffelten nach Ferngläsern, Fotoapparaten, Uhren, Schmuck und sogenannten Souvenirs (Partei- und Gliederungabzeichen, Vereinsfahnen), vernichteten alles, was an den NS-Staat erinnerte und verlangte die Abgabe sämtlicher Waffen, die größtenteils zerschlagen wurden und verhängten den Ausnahmezustand, der bestimmte, dass die Bevölkerung nur stundenweise am Tage Besorgungen erledigen konnte und sämtlichen Straßenverkehr verbot.

Die russischen Kriegsgefangenen, unterstützt von den ausländischen Arbeitern (vor allem Polen), aber auch einige Schulenburger, begannen zu plündern und die Firmenläger auszuräumen. Viele Plünderer übten sich auf gestohlenen Fahrrädern im Rad fahren. Andere beluden Räder und Handwagen mit Beutegut und fuhren ziellos davon. Hühner, Schafe und Schweine wurden abgeschlachtet, Lebensmittel und Kleidung offen entwendet.

Den Bäckern, die unermüdlich buken, das noch heiße Brot aus den Öfen gerissen. Es herrschten chaotische Zustände, gegen die die amerikanische Besatzungsmacht zunächst nicht einschritt. Die Häuser Nr. 3, Nr. 5 und Grünes Tal 58 und 68 wurden von Russen besetzt und die Familien vertrieben. In verschiedenen Scheunen und Wirtschaftsgebäuden und der Domäne nisteten sich ebenfalls Kriegsgefangene ein.

Am 8. April wurden die Artilleriestellungen der Amerikaner im Dorf mehrfach von leichten deutschen Kampfbombern angegriffen. Das Anwesen des Mühlenarbeiters August Hennies wurde zerstört. Dabei fanden der Besitzer mit Tochter und Mutter, die Witwe Isemann mit Enkelkind Mörlins, vier Evakuierte aus Isemanns Haus und ein Pole den Tod. Durch Beschuss gingen auf dem Homannschen Anwesen Nr. 18 Stallungen und Scheune in Flammen auf, während das Wohngebäude durch den Einsatz der Nachbarschaft gerettet werden konnte. Die Häuser Nr. 81, 120, 135, 58, 123, 142 und Nr. 139 waren zum Teil so stark beschädigt, dass sie vorübergehend geräumt werden mussten. Am 11. April fand die Trauerfeier für die 13 Kriegstoten auf dem neuen Friedhof statt.

Es strömten immer mehr Ausländer in unser Dorf, die zum Teil von den umliegenden Ortschaften bewusst nach hier gelenkt wurden, weil hier eine Auffangzentrale sei, eine irreführende aber bewusste Meldung, um lästige und gefährliche Ausländer loszuwerden. Es wurden täglich mindestens 5 Schafe abgeschlachtet, in der ersten Woche rund 30 Schweine abgestochen, ohne dass jemand einzuschreiten wagt. Die Wohnungseinrichtung des Domäneninspektors wurde von polnischen Arbeitern zerschlagen und zerfetzt; desgleichen Räume von evakuierten Bombengeschädigten. Fahrraddiebstähle nahmen überhand. Die Unentschlossenheit des Bürgermeisters ließ wertvolle Zeit zur entschlossenen Selbsthilfe verstreichen.

Am Dienstag, den 10. April rückten die letzten amerikanischen Kampftruppen ab, weil der deutsche Widerstand am Kipphut bei Sarstedt und den Giesener Bergen zusammengebrochen war. Dadurch war die Dorfbevölkerung schutzlos. Die Ausschreitungen und Übergriffe der mindestens 400 bis 500 Ausländer und Kriegsgefangenen nahmen bedrohlich zu. Die hiesigen ausländischen Arbeiter feierten, soffen, flanierten aufgeputzt in gestohlener Kleidung durch das Dorf, fuhren mit gewaltsam entwendeten Autos und Pferdegespannen durch die Gegend und dachten nicht daran, hier je wieder zu arbeiten.

Die Folge: Seit dem 13. April wurde nachts von Ausländern geschossen. Darum kam es endlich am 15. April zur Aufstellung eines zivilen Selbstschutzes, der bald von der amerikanischen Kommandantur in Nordstemmen und erstem Einsatz von Polizeikräften abgelöst wurde. Endlich übernahm amerikanische Militärpolizei die provisorische Regelung der Zivilaufgaben in Verbindung mit der örtlichen Gemeindeverwaltung, gewählten Vertretern der Polen und der russischen Kriegsgefangenen.

Am 16. April wurde im Rohlfschen Schlachthaus mit der Ausgabe der Gemeinschaftsverpflegung an die russischen Soldaten begonnen. Das Mittagessen (Eintopf) wurde von dem Hausschlachter Wilh. Bartels unter Mithilfe von Frl. Sophie Rohlf in den beiden Katastrophenkesseln der NS-Volkswohlfahrt für Ausgebombte gekocht. Die Domäne und die Bauern lieferten aus ihren Mieten täglich 3 Zentner Kartoffeln, die Domäne lieferte Schaffleisch, die Gemeinde täglich ein Schwein und wöchentlich ein Rind, die Bäckerei Bruns pro Person täglich ein Pfund Brot und Mehl zum Eindicken der Abendsuppen.

Das Rohlfsche Haus wurde geräumt, sämtliche russischen Soldaten wurden in eine Domänenscheune umquartiert, ihre Selbstversorgung mit gestohlenem Gut wird verboten. Die Bevölkerung, wie auch die ausländischen Arbeiter wurden aufgefordert, mit der dringend notwendig gewordenen Feldbestellung zu beginnen.

Unsere Frauen und Jugendlichen setzten sich fleißig ein, die Bestellung wurde durch anhaltend günstige Witterung in kurzer Zeit erledigt. Doch in den größeren Betrieben hat kaum ein Ausländer die Arbeit aufgenommen, obwohl die Besatzungsmacht angedroht hatte: "Wer nicht arbeitet, erhält kein Essen." An unsere Bevölkerung fand die Ausgabe der Lebensmittelkarten für die 74. Periode auf dem Homannschen Hofe statt. Weil amerikanische Besatzer die Ausgabelisten entwendet und verbrannt hatten, konnten die Karten nur auf Treu und Glauben ausgegeben werden.

Die Ausgehzeit für die Bevölkerung wird von morgens 7.00 Uhr bis abends 20.00 Uhr festgelegt. Ein gemeinsamer Streifendienst von je einem Deutschen, Polen und Russen von abends 19.30 Uhr bis 22.00 Uhr wurde eingerichtet. Nun ließen die täglichen Übergriffe nach, doch das Abschlachten von Hühnern und Schafen hielt trotzdem an. Als zwei Lastwagen mit auswärtigen Polen auf ihrer Beutefahrt hier von amerikanischen MP-Leuten zusammengeschossen und die Polen verhauen wurden, machte das solchen Eindruck, dass jetzt auch die hiesigen Polen wieder zu arbeiten begannen.

Die MP-Kontrollen wurden verstärkt und einige Fernsprechleitungen nach Nordstemmen instandgesetzt. Der Oberwachtmeister Klünder wurde von Wülfingen nach hier beordert, lief mit einer weißen Armbinde im Dorfe herum, war aber ohne jegliche Machtbefugnisse und Waffe. Er konnte lediglich Beschwerden entgegennehmen und schriftlich weiterleiten. Die Verhaftungswelle der MP, die nach der Besetzung am 8. April mit der Abführung des Ortsgruppenleiter der NSDAP und des Ortsbauernführers begann, wurde nun stärker fortgesetzt.

Ende April wurde in des geräumte Isemannsche Haus amerikanisches Militär gelegt, dass den Streifendienst übernahm. Es blieb daher zukünftig ruhig. Am 22. April hielt Pastor Weber aus Jeinsen hier wieder Gottesdienst. Die Schulen blieben überall geschlossen. Es durfte auch kein Privatunterricht erteilt werden. Diese Regelung galt bis in den Herbst hinein.

Die Verhaftungen führender Parteimitglieder einschließlich von Nebenorganisationen wurde systematisch fortgesetzt. Soldaten, die keine ordnungsmäßigen Entlassungspapiere vorweisen konnten, wurden aufgespürt - oft durch Hinweise hämischer Deutscher - und verhaftet. In Eldagsen wurde die gesamte männliche Bevölkerung zwischen 17 und 60 Jahren in die Kirche befohlen und dort nach Belasteten und Unbelasteten getrennt. Die angeblich Belasteten wurden verhaftet, vor allem Lehrer, auf die man es in allen Gemeinden absah. Als Zivilgouverneur wurde anstelle des abgesetzten Landrats ein englischer Major eingesetzt, dem als Berater der bisherige Kreisoberinspektor zugeordnet wurde. Das Kreiswirtschaftsamt blieb weiterhin bestehen; denn die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung lief in der bisherigen Form weiter, alle Verordnungen blieben in Kraft.

Auf den Lebensmittelkarten der 75. Periode stehen die gleichen Bezugsmengen, wie auf der 74. Periode. Bis dahin hatte die Calenberger Mühle Mehl, Graupen und Gries auf Bezugsscheine ausgegeben, die Bauern gaben Milch ab Hof aus, die Jeinser Molkerei lieferte Butter nur in die Städte, hier musste sich die Bevölkerung damit selbst versorgen. Ausgelagerte Lebensmittelbestände, Hausartikel und Schuhwaren wurden aufgelöst und so an die Bewohner verteilt.

Auf dem Gelände der zerstörten Zuckerraffinerie in Hildesheim kratzen sie Rohzuckerklumpen zusammen, oft in beachtlichen Mengen, bis auch das verboten wurde. Die hannoverschen Betriebe nahmen allmählich in kleinerem Umfange ihre Aufräumungsarbeiten der zerstörten Anlagen wieder auf. Weil der Eisenbahnverkehr noch ruhte, mussten hiesige, vordem in Hannover Beschäftigte , täglich mit dem Fahrrade zu ihrer Arbeitsstätte fahren. Es waren zunächst nur wenige.

Die Calenberger Mühle mahlte mit Hochdruck, weil sie die hannoversche Bevölkerung mit Mehl versorgen musste. Die Bauern hatten bei herrlichem Wetter ihre Frühjahrsbestellungen restlos durchführen können. Alle hofften, den Anschluss an die neue Ernte zu finden. Die teilweise zerstörten Häuser wurden, wenn auch zum Teil behelfsmäßig, wieder instandgestzt und wieder bezogen. Die Bevölkerung beseitigte die Schäden in den Gärten und an den Einfriedungen. Auch die Kanalisationsschäden wurden behoben; langsam verschwanden die Kriegsspuren im Ort.

Am 4. Mai kam morgens US-Militärpolizei ins Gemeindebüro und ließ sich die Namen der ehemaligen Parteifunktionäre geben, die mittags um 13.00 Uhr zur Vernehmung nach dort bestellt wurden. Es handelte sich um den Propagandaleiter, den Zellenleiter, den Schulungsleiter, dem NS-Volkswohlfahrtsleiter und der Frauenschaftsleiterin (die nach der Vernehmung wider entlassen wurde). Die anderen wurden verhaftet und auf Lastwagen über Sammelplätze in Eldagsen, Wülfel und Bemerode ins ehemalige Kriegsgefangenenlager "Senne-Staumühle" bei Paderborn gebracht und dort interniert. Ihre Internierungszeit dauerte bis zu 2 Jahren. Nach etwa 3 Jahren kam der ehemalige Ortsgruppenleiter der Hitlerpartei frei.