Historie >>> Alte Feste Calenberg


1232 Erstmalige Erwähnung von Hof und Haus Calenberg.Herzog Otto bekannte in einem Lehensrevers von dem Abt des Klosters Werden "unse hoef (und) huyß, genant Calenberg", als Lehen empfangen zu haben. Zu der Zeit wird der Calenberg nicht mehr als ein befestigtes Herrenhaus gewesen sein.
1290

Errichtung des "castrum Calenborch". Zunächst als Turmburg und dann durch mehrere Erweiterungen nahm es die Gestalt einer quadratischen Burganlage, mit einer Kantenlänge von ca. 37 Metern, an. Ganz zur Verärgerung des benachbarten Bistums Hildesheim, denn die Burg soll, wie eine Hildesheimer Chronik berichtet, "über die Leine hinaus", also auf Hildesheimer Gebiet gebaut worden sein. Tatsächlich ist sie auf der Grenze, umgeben von zwei Leinearmen, auf einer (kahlen) Insel errichtet worden, auf einer Grenze, die schon von alters her sächsische Stammesgrenze war und die Bistümer Minden und Hildesheim trennte. Das dieses im nur 13 km entfernten Hildesheim nicht als ein freundlicher Akt angesehen wurde, ist nur allzu sehr verständlich.

1327 Die Gründung eines "wicbeldes" vor der Burg Calenberg wurde genehmigt. Die Stadt Lauenstadt wurde gegründet. Tatsächlich hat Lauenstadt niemals die Erwartungen erfüllt, die man in die Burgsiedlung gesetzt hatte. Heute ist Lauenstadt eine Straße mit sechs Häusern; mehr als doppelt so viel werden es auch in seiner "Blütezeit" nie gewesen sein.
1371 Calenberg wurde, trotz der Randlage, Amtssitz der später bis zum Deister und nach Hannover reichenden Großvogtei. Häufig wählten die Welfenherzöge sie zu ihrem Aufenthaltsort. Zu dieser Zeit hatte die Burg durch Einführung von Feuerwaffen schon an militärischem Wert verloren. 1442 und 1447 konnte Belagerungen noch standgehalten werden. Aber 1466, als ein Städtebund mit zahlreichem Heer den Calenberg belagerte, war Herzog Friedrich gezwungen, einen Vergleich zu schließen.
Um 1500 Erst der Umbau zur Festung mit hohem Wall und breitem Graben (kurz nach 1504) machte den Calenberg wieder zu einem modernen, den Anforderungen der fortgeschrittenen Kriegstechnik genügendem Bollwerk. In dieser Zeit wurde auch der Batterieturm rechts des Zugangs, der nun zur Feste erweiterten Anlage, errichtet.
1519 Ohne die Zustellung des damals üblichen Fehdebriefes abzuwarten, fielen im Frühjahr Truppen des Hildesheimer Bischofs und des Herzogs von Lüneburg vom Norden in das Fürstentum Calenberg ein, nahmen nach mehreren anderen Städten am Abend des 6. Mai überraschend Pattensen ein und errichteten tags darauf bei Jeinsen das Feldlager für die Belagerung des Calenbergs. Auf der Festung wurde geschätzt, dass es 6.000 Mann zu Fuß und 900 zu Pferd waren. Herzog Erich hatte mit einer Belagerung des Calenberg gerechnet und deshalb "den Calnbergk fur dem Slos ( also die Gebäude auf der Insel und evtl. auch in Lauenstadt) selbst angestecht und ausgebrant." Somit sorgte er für ein freies Schussfeld um die Festung. Am 9 Mai begannen die Belagerer rings um den Calenberg Schützengräben aufzuwerfen und sich der Festung zu nähern. Vom weiteren Verlauf wird dem Herzog Erich am 17. Mai wie folgt berichtet: "Daß die Veind noch zur Zeit vor dem Kalenbarge ligen und mit Irem geschutz vast (ständig) von einer stede zur andern rucken, aber, got gedanckt, noch zur Zeit nichts weiter ausgerichtet haben, dan daz sie in den schantzen vast Todten gelassen, und ist dem Bischof zu Hildensheim sein buchsenmeister zu tod geschossen worden." Währenddessen sammelte Herzog Erich im Süden des Fürstentums Truppen und fiel am 14. Mai ins Bistum Hildesheim ein - ebenso eine Spur der Verwüstung hinter sich lassend. Als er Bockenem erreicht hatte, und diese Nachricht im Feldlager vor dem Calenberg eintraf, wurde die Belagerung am 31. Mai abgebrochen.
1549 CorvinusDer Calenberger Herzog Erich II. ließ den Landessuperintendenten Antonius Corvinus verhaften und für drei Jahre in einem Kellerverlies in der Festung Calenberg inhaftieren. Dieser Antonius Corvinus (bürgerlich Anton Rabe) war Anhänger Martin Luthers und an den Kirchenreformen in Northeim (1539), in der Grafschaft Lippe (1541), in Hildesheim und im Fürstentum Braunschweig (1542) beteiligt, bevor er entscheidend an der Calenberger Kirchenordnung (1542) mitwirkte. 1548 erließ Kaiser Karl V. das berühmte "Augsburger Interim" in dem die Protestanten faktisch gezwungenwurden zum katholischen Glauben zurückzukehren. Dieses Interim war Ursache die Inhaftierung des Landessuperintendenten Corvinus. Es musste sich erst das politische Kräfteverhältnis in Deutschland ändern eheCorvinus, im November 1552, freikam. Er ging nach Hannover und kam dort in der Pfarrei der St. Aegidien-Kirche unter. Er hatte sich aber eine schwere Krankheit in der Gefangenschaft zugezogen, von der er sich nicht wieder erholte, und verstarb daher schon nach wenigen Monaten am 5. April 1553.
1625 Nachdem der Dreißigjährige Krieg bereits mehrere Jahre in anderen Landesteilen getobt hatte, kam der im Sommer 1625 auch direkt ins Calenberger Land. General Tilly kam mit dem kaiserlichen Heer vom Süden im Leinetal an, übernahm am 6. Oktober Pattensen, wo er mit 4.000 Mann sein Hauptquartier aufschlug und begann den Calenberg zu belagern. Die dänisch-niedersächsische Besatzung der Festung zählte ganze 180 Mann, von denen sogar noch 50 krank waren. Die von den Kriegskommissaren kurz zuvor zugesagten 300 Mann Verstärkung, zusätzliche Munition und Proviant bleiben aus. Für Proviant wurde gesorgt: Bei einem Ausfall konnten 300 Kühe zwischen Rössing Emmerich geraubt werden und dann auf dem Calenbereg geschlachtet werden. Doch schon bald nach der Eröffnung der Belagerung wurde der Mangel an Munition zum Problem, sodass die Besatzung sogar gezwungen war, "dass Bley vonn den Deckern uff der Vestung ab(zu)decken und in Kugelnn zu vergißen." Als Tilly am 21. Oktober zum vierten Mal zur Kapitulation aufforderte, war nur noch ein Vorrath an Kugeln dan 5 Ct. (Zentner) unnd bey die 10 Ct. Pulver" vorhanden, soviel, um noch einen einzigen Sturmangriff abwehren zu können. Da von außen keinen schnelle Hilfe zu erwarten war, war weiterer Widerstand sinnlos geworden, so dass die Offiziere noch am selben Tag mit Tilly wegen der Übergabebedingungen Kontakt aufnahmen.
1626 - 1690 Mit kurzer Unterbrechung blieb Tilly mit seinem Heer bis Ostern 1626. Als er weiterzog, hinterließ er auf der Festung eine 600 Mann starke Besatzung. Sie wurde am 11. Juli 1626 von 60 Reiter-, 3 Dragoner- und 2 Kompanien Fußvolk (7.000 - 10.000 Mann) der dänischen Armee eingeschlossen und belagert.
Ganz sechs Tage dauerte diese Belagerung, dann wurde sie von einem 4.000 Mann starken Ersatzheer vertrieben.
Ab 2. Februar 1632 versuchten 3.000 schwedische Reiter und Dragoner sechs Wochen lang den Calenberg einzunehmen, konnten aber nichts ausrichten.
Nach dem 15. Juni 1632 nahmen drei niedersächsische Regimenter (6.000 Mann) die Belagerung wieder auf, wurden jedoch von dem kaiserlichen Heer des Generals Graf zu Papenheim zurück gedrängt. Nach einer Woche jedoch zog das Heer weiter und der Calenberg blieb ohne Besatzung zurück.
Die Festung konnte nun von einer Lüneburger Einheit kampflos übernommen werden. Kurz von "Rückeroberung" der Festung Calenberg äußerte Herzog Friedrich Ulrich, dass der es am liebsten sähe, wenn "Maur und Wallen der Feste abgeworfen und er ort genzlich rasirt würde".
Die Erfahrung hat gelehrt, "das solche orter und kleine Vestungen weinig nutzen schaffen, und dagegen mit großen spesen und kosten musten manutieniret und unterhalten werden". Deshalb befahl er, dass nach "glücklichen eroberung gemeltes unserer hausses ...es genzlich demantiret werde." Die Demontierung erfolgte (noch) nicht, da am 24. September 1632 das Heer von General Graf zu Papenheim wieder heran rückte und die Feste erneut einnahm.
Was folgte waren Belagerungen und Besatzungen durch schwedische Truppen, dem braunschweigischen Heer und wiederum kaiserlichen Truppen. Bereits vor 1666 wurde am anderen Leineufer auf dem Vorwerk ein neues Amtshaus errichtet, so dass auf dem Calenberg außer den Soldatenunterkünften bald nur noch das Gefängnis und die Wohnungen der Wärter übrig blieben.
1686 wurde in Jeinsen zum letzen Mal ein auf dem Calenberg stationierter verstorbener Soldat beerdigt. Am 2. Oktober 1690 wurde der Abbruch des alten Schlosses verfügt; und in den folgenden Jahren sind das Baumaterial und die Steine weitestgehend verkauft und für andere Bauvorhaben verwendet worden.
1867 Schließung der Amtsverwaltung Calenberg.
1930 Das Gefängnis Calenberg, erbaut im Jahre 1767, wird geschlossen und als Privathaus weiter genutzt.
1984 Auf dem Fundament des Westflügels steht ein weiteres Haus: Noch immer dient der älteste Teil der Burg Calenberg den Menschen als Wohnung. Der neue Verwalter des Hausgutes Calenberg lässt die Häuser räumen und machte sie dem Erdboden gleich. Der Schulenburger Grundschullehrerin und engagierte Historikerin Frau Ilse Conradt, die sich ihm entgegenstellte, um den Abriss zu verhindern, entgegnete er: "Das hier hat weder historische noch irgendeine sonstige Bedeutung."

Calenberg, das dem Landstrich und dem Fürstentum seinen Namen gab - der Vergessenheit (und dem allmählichen Verfall) preisgegeben !?

Als Schloss mit stolzen Thürmen Erhob ich einst mein Haupt, Hatt' Fürsten zu beschirmen, Kaum dass man es noch glaubt. Wo sind nun die Thürme, Hallen, Kapelle, Prunkgemach ? In Staub sind sie zerfallen, Kaum steht ein schützend Dach.
- heißt es in einem von dem Kunsthistoriker Mithoff bereits 1871 veröffentlichten Gedicht über die einstige Größe und die auch schon zu seiner Zeit vernachlässigten Ruine der Festung Calenberg.
Türme und Prunkgemächer gibt es schon seit über 300 Jahren nicht mehr, seit die Welfenherzöge wohnlichere und stattlichere Residenzen nutzen konnten. Inzwischen ist auch das letzte schützende Dach vor über zwanzig Jahren beseitigt worden, und insbesondere die bis an die Erdoberfläche reichenden baulichen Reste sind dem zerstörerischen Werk der Witterung sowie der Baumwurzeln nahezu schutzlos ausgesetzt.
Ohne schützenden Eingriff ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Natur sich den kahlen Berg gänzlich zurückerobert hat und die letzten Zeugnisse früherer Festungs- und Schlossbaukunst bis zur Unkenntlichkeit verändert sind. Dann wäre ein wichtiges kulturhistorisches Denkmal unwiederbringlich beseitigt, obwohl das frühere Bauwerk mit den verbliebenen Ruinen noch deutlich hervortritt, so dass manches wieder sichtbar gemacht werden könnte.